Spatz im Pfadfinder Bundeslager MOVA 2022 im Goms


Zu den Bildern: Die meist harte Arbeit lies das Fotografieren nicht immer zu. So stammen diverse Bilder aus unserem internen Kommunikationskanal Slack.

Obwohl ich die letzten Wochen nicht zu Hause war und mich in einer Touristengegend befand, kamen mir diese Wochen nicht unbedingt wie eine Reise vor. 

 

Schliesslich habe ich in dieser Zeit geholfen die vorübergehend sechsundzwanzig grösste Stadt der Schweiz aufzubauen und zu betreiben.

 

Wie komme ich als zwar wieder aktiverer Altpfadfinder dazu mich an solch einem Projekt zu beteiligen. Mit der aktiven Pfadfinderbewegung hatte ich seit meinem Einsatz im Kantonslager des Kanton Aargau 1985 ausser tollen Erinnerungen eigentlich nichts mehr zu tun.

 

So musste der Zufall helfen. Im Januar kam im Bahnforum eine Diskussion über die Verwendung ausgedienter RhB Vorortszüge bei der Matterhorn-Gotthardbahn, zugunsten der Bundeslagers der Pfadfinder, zustande. So realisierte ich, dass dieses Lager ja dieses Jahr stattfindet. Ich suchte also die entsprechende Website auf, um zu sehen wann es stattfindet und fand dort Stelleinserate, welche ich umgehend studierte.

 

Da mir der Zeitpunkt passte und der Teilbereich Ruhe und Ordnung Leute mit meinem oder ähnlichen 

beruflichen Hintergründen suchte. bewarb ich mich.

 

Ich bekam den Job auch. Die meisten meiner Mitstreiter lernte ich dann auch an einem Vorbereitungstag kennen. Dort erfuhr ich dann, dass mein Ressort erst eine Woche vor Lagerbeginn startete. Da ich aber von Anfang an dabei sein wollte. Bewarb ich mich für die erste Aufbauwoche bei der Logistik als Lieferwagenfahrer. An einem Ausbildungstag erneuerte meine Kenntnisse im Staplerfahren.

 

So gewappnet reist ich also ins noch normal aussehende Goms. Ich hatte in Ritzingen auf dem Campingplatz einen Wohnwagen gemietet. Für den Weg nach Ulrichen war mein neu erworbener E-Scooter bestimmt. Leider gab er bereits nach zwei Wochen seinen Geist auf und ich musste es gegen mein altes E-Bike auswechseln. Da ich auch meine Unterkunft nach Obergesteln in eine feste Helferunterkunft verlegte, diente es mir optimal.

 

In dieser ersten Woche wuchs auf dem ehemaligen Flugfeld gewaltiges. Es entstanden Restaurants, ein Funkturm ein Militärspital, Zelte für die Lebensmittelversorgung und die Post, sowie diverse Bauten in denen sich die Partner des Bundeslagers präsentieren konnten. 

In der zweiten Woche bauten wir dann die Infrastruktur von "Ruhe und Ordnung", wie mein Arbeitsbereich sich nannte auf. Es galt drei Posten in Containern auf dem Lagergelände einzurichten, welche den Teilnehmern als Anlaufstellen dienten. Ab dem Mittwoch war wegen der achteinhalbtausend Personen welch angereist waren um die Lagergelände der Einheiten einzurichten auch bereits eine Patrouillendienst einzurichten.

 

Am Samstag begann dann das was sich bis dahin noch niemand so richtig vorstellen konnte. Nämlich der Transport der Lagerteilnehmer ins Goms. Was an diesem Tag und dem folgenden Tag geschah war eine geniale Leistung des schweizerischen öffentlichen Verkehrs. Die Hauptlast trug die Matterhorn-Gotthardbahn. Dieser Höchstleistung verdankten wir das die letzten Teilnehmer kurz vor Mitternacht mit der minimalen Verspätung von einer Viertelstunde eintrafen. Hut ab!!!

 

Aber auch die von uns innert vierzehntage aufgebaute Infrastruktur für eine Stadt von 35'000 Einwohnern hielt dem Ansturm stand. Sicherlich waren in den ersten Tagen die Schlange vor der Verpflegungsausgabe noch etwas lang. Aber das legte sich bald als sich die Gepflogenheiten einspielten.

Wie funktionierte als diese Stadt. Man muss sich bewusst sein, dass die Planung für das Lager vor ca. fünf Jahren begannen. Auch hatte die Lagerleitung schon seit dem Standortentscheid mit Kanton Wallis Kontakt. Der Kanton hat sich ja um das Lager beworben.

 

So wurden von Anfang an Lösungen für Notfälle, für Wasser und Abwasser, für Entsorgung und Anlieferung gesucht und gefunden. So gab es eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen den regionalen Versorgern, den Gemeindediensten und vielen mehr. Unsere gut ausgestattete Feuerwehr Mit einem grossen Tanklöschfahrzeug und vier weiteren Einsatzeinheiten wäre auch bei Bränden in den Dörfern mit ausgerückt. Unser ärztliche Notversorgung, welche von der Armee betrieben und durch unseren eigenen Sanität unterstützt wurde, stand auch der Öffentlichkeit zur Verfügung.

 

Unten seht ihr Bilder auf denen Unsere Stadtregierung samt Verwaltung abgebildet ist. Dann ein Bild der der Abteilung SANSI (Sanität und Sicherheit) zu der auch die Feuerwehr, sowie Ruhe und Ordnung gehörte.

 

Ruhe und Ordnung arbeitete auch sehr eng mit mit dem bei uns im Lager angesiedelten Posten der Kantonspolizei Wallis zusammen.

Wo mit schlug ich mich also in meinem Job als Schichtleiter bei Ruhe und Ordnung herum?

 

Ich führte jeweils eine Schicht von acht bis zehn Mitarbeitern, entweder auf einem der drei Posten oder als mobile Equipe. Die Posten hatten einen vierundzwanzig Stundenbetrieb in zwei Schichten à zwölf Stunden. Sie waren die Ansprechstellen für die Lagerteilnehmer bei beliebigen Probleme. Zudem patrouillierten ab den Posten meine Mitarbeiter zu Fuss oder mit dem Fahrrad durch die zugewiesenen Quartiere. Auch sie waren beliebte Ansprechspersonen. Sie lösten Kleinstdifferenzen zwischen den Einheiten auf Platz. Auch überwachten sie das Alkoholverbot und das Rauchverbot auf dem Lagergelände. Dies nicht in der Form von aktiven Durchsuchungen, sondern lediglich bei Auffälligkeiten.

Zu den Aufgaben der Patrouillen gehörte auch die Einweisung von Krankentransporten, Reparaturdiensten und Rettungskräften. Dank einer Interaktiven Karte welche man auch auf dem Handy nutzen konnte konnte man auch sonstigen Suchenden helfen. Zusätzlich konnte man auf den Posten auch Fundgegenstände abgeben und Diebstahlanzeigen zuhanden der Polizei aufgeben. In Notfällen gab man auf dem Zentralen Posten, wo sich auch das Fundbüro befand, einen gefundenen Gegenstand heraus. Auch das lagereigene Care Team wurde bei Bedarf von uns aufgeboten.

 

Es war unser erklärtes Ziel ein Dienstleistungsbetrieb zu sein und nicht eine Lagerpolizei. Daher schworen wir unsere Mitarbeiter auf ein wenn immer möglich auf deeskalierendes Verhalten ein. Hier muss ich meinem teils kurzfristig rekrutiertes Personal einen riesigen Kranz winden. Sie setzten die Vorgaben um. Dies führte dazu, dass wir bis zum Ende des Lagers vor allem als Freund und Helfer angesehen waren, obwohl zum Beispiel bei der Konfiszierung von Alkohol auch Repression im Spiel war.

 

Wenn wir Gesetzesverstösse vorlagen kam die die Kantonspolizei zum Zuge. Diese schätzte die Zusammenarbeit mit uns sehr und lud uns am Schluss des Lagers zum Dank zu einem tollen Raclettabend nach walliser Art ein.

Die mobilen Einheiten waren unsere Einsatzreserven bei den Lagerevents. Sie machten teilweise Zutrittskontrollen, machten Dienst im Bühnengraben und bei der Überwachung der Zuschauermassen. Zusätzlich hüteten sie unsere externe Beizenmeile auf dem Flugplatz Münster. Dort gab es für die die Helfer und Einheitsleiter auch ein oder zwei Feierabendbiere und Musik zu Feiern.

 

Das nebenstehende Bild zeigt übrigens die Velo-Demo. Diese wurde spontan von Teilnehmern organisiert. Auch so etwas gab es in unserer Stadt. Probleme gab es aber deswegen nicht.

 

Die Abreise am Schluss des Lagers war für mich auch wieder ein Beispiel wie gut wir es schafften mit unseren externen Partnern zusammenzuarbeiten. Unserer Verkehrsabteilung lies die Einheiten einzeln rechtzeitig auf dem grossen Platz vor der Hauptbühne aufmarschieren, versorgte sie mit den Informationen auf welchem Gleis ihr Zug fuhr und in welchem Sektor sie warten sollten. Auf jedem Peron sorgten je drei Einweiser dafür das dies klappte.

 

Unseren eigenen Busbahnhof betrieben wir ebenso.

 

 

 So leisteten wir unseren Beitrag zum reibungslosen Heimtransport unserer Teilnehmer.

 

Am Sonntag des Lagerendes merkte ich dann auch, dass das Lager mit vielen Nachtschichten nicht Spurlos am mir vorübergegangen war. Ich war müde und hatte genug. Also half ich noch etwas beim Auflösen unserer Infrastruktur. 

 

Am Dienstag reiste ich also ab. Den Rest des Abbaus überlies ich den restlichen Helfern. Ich verfolgte den Abbau aber interessiert auf unserem internen Kommunikationskanal. Hiermit danke ich jenen die das vollbracht haben.

Was ist nun mein Fazit meiner Lagerteilnahme?

 

Mein persönliches Highlight ist, dass ich festgestellt habe, dass der Pfadfindergeist trotzt allgemeinem Werteverlust in unserer Gesellschaft noch existiert. Man hilft sich gegenseitig, sucht gemeinsam unkompliziert nach Lösung und akzeptiert jeden sofort so wie er ist.

 

Zudem habe ich ein Arbeitsumfeld erlebt, das einem viel Freiheit und Eigenverantwortung liess. Das heisst, man genoss unheimlich viel Vertrauen. Meinen beiden direkten Vorgesetzten, welche bei der Kantonspolizei Thurgau arbeiten sei hier herzlich für das gute Arbeitsklima gedankt. Den einen kenne ich übrigens von früher, als er in einem Dorf einer meiner Arbeitsgebiete stationiert war und auch mit der Grenzwache zusammenarbeitete.

Beim Feierabendbier (Bild zu Verfügung gestellt)